Blockchain und Kryptowährungen – Sind Bitcoin und Co. die Finanzmittel der Zukunft?

„Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nation unser Banken- und Geldsystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“
– Henry Ford (1863-1947), Gründer der Ford Motor Company

Mit diesem Zitat können sich die heutigen Verfechter von Kryptowährungen wie Bitcoin, Ethereum und Co identifizieren. Mit der Erfindung der sogenannten Blockchain meinen sie, das Finanzsystem zu revolutionieren und Banken abschaffen zu können.

Die Revolution der Blockchain startete 2008 als jemand (unbekannt) unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto ein Konzept zur digitalen Währung Bitcoin veröffentlichte, welche dann ein Jahr später als open-source Softwarekonzept veröffentlicht wurde.
Bitcoin basiert auf dem Prinzip der Blockchain, was sie von jeder herkömmlichen Fiat-Währung abgrenzt.

Was ist eine Blockchain?

Eine Blockchain besteht, wie der Name schon sagt aus einer Kette an Blöcken.
Ein Block stellt jeweils einen Datensatz dar, der mit einem vorherigen Datensatz kryptografisch verkettet wird. Dabei können nicht nur Transaktionen, sondern auch Verträge, Texte und andere Inhalte in einem Block gespeichert werden.
Was die Blockchain von einer herkömmlichen zentral-verwalteten Datenbank, wie sie z.B. von Visa oder Paypal und allen Banken verwendet wird, unterscheidet ist, dass die Datensätze unveränderbar und dezentralisiert gespeichert werden.
Unveränderbar werden die Blöcke durch ein kryptografisches Verfahren (Hashing), das verwendet wird, um einen Fingerabdruck des vorherigen Blockes zu erstellen und es im nächsten Block einzufügen. Durch den Fingerabdruck lassen sich keine Veränderungen mehr an bereits angelegten Blocks machen, da der darauffolgende Block selbst auch verändert werden müsste, damit dies nicht auffallen würde.
Die benötigte Rechenleistung für die Erstellung des Fingerabdrucks wird von sogenannten Minern angeboten. Die Miner versuchen so schnell wie möglich den Fingerabdruck des vorherigen Blocks zu errechnen und ein skalierendes kryptografisches Rätsel zu lösen, was dazu führt, dass bei Bitcoin egal wie leistungsfähig das Netzwerk ist, immer alle 10 Minuten ein neuer Block angelegt wird.
Bei den Minern handelt es sich um private oder kommerziell eingesetzte Computer die auf der ganzen Welt verteilt sind und durch das Internet zusammenarbeiten.
Diese Verteilung macht die Blockchain erst sicher, denn jeder der Miner hat selbst eine Kopie aller vorherigen Blöcke und bestätigt den neuen Block.
Die Miner bekommen dafür erstellte neue Bitcoins, sprich Geld.
Die hohe Manipulationssicherheit der Blockchain kommt von der Dezentralisierung, also dass viele Computer auf der ganzen Welt am Bitcoin-Netzwerk teilnehmen und dem kryptischen Verkettungsverfahren, welches realistisch gesehen unhackbar ist.
Auch bietet Bitcoin und vor allem sogenannte alternative Kryptowährungen (kurz Altcoins) wie Monero oder Verge viel Anonymität. Bei den meisten Kryptowährungen ist eine Transaktion immer öffentlich und für jeden einsehbar, jedoch nicht mit Klarnamen. Banken wissen dagegen wie das Kaufverhalten und die finanzielle Lage ihrer Kunden ist (Schufa).

Bei Bitcoin kann sich jeder kostenlos online eine sogenannte Wallet eröffnen, komplett ohne Papiere. Die Wallet ist wie Bankkonto mit einer eindeutigen Adresse versehen (meine Ethereum-Adresse: 0xE7A5B54eCc423ADf725674ec9A0dD7dC7E01d272), die aber nicht von jedem mit Klarnamen verbunden werden kann, sondern nur von den Börsen, an denen man mit seinem normalen Fiat-Konto Kryptowährungen gekauft hat. In einer immer stärker überwachten Welt ist Bitcoin also eine Möglichkeit, um mehr Anonymität zu bekommen.
Bitcoin gibt einem die Möglichkeit selbst die Kontrolle über sein Geld zu haben und seine Bitcoins offline in der eigenen Wallet auf seinem Computer zu speichern.
Banken werden also durch Bitcoin abgeschafft.
Eine Wallet kann man sowohl online auf Plattformen wie Coinbase, Bitcoin.de oder Binance kostenlos eröffnen oder auch lokal auf seinem Computer speichern.
Die Sicherheit der Wallet liegt entweder bei einer Plattform oder bei einem selbst, wenn man sie auf dem eigenen Computer speichert.
Bitcoin als Währung
Bitcoin wird zwar als Kryptowährung bezeichnet, rechtlich gesehen handelt es sich in Deutschland bis jetzt aber um kein gesetzliches Zahlungsmittel oder E-Geld.

Unterschiede zum herkömmlichen Geld

Der größte Unterschied zu Fiat-Währungen und Grund für den Erfolg von Bitcoin ist die Dezentralisierung. Der Euro wird von der Europäischen Zentralbank verwaltet und alle Banken dienen als weitere Verteilungsstelle des Geldes und leihen somit das Geld von der EZB.
Die EZB verfolgt das Ziel einer 2% Inflation und kann theoretisch unendlich viel neues Geld erstellen. Bitcoin und fast alle anderen Kryptowährungen haben eine limitierte Anzahl an “Coins”, was auf lange Sicht zu einer Deflation führt.
Ein weiterer Grund für die Deflation ist der Verzicht auf Banken. Banken verleihen Geld was sie gar nicht haben, sondern das nur in den Konten der Kunden liegt auf der Basis des Mindestreserveversatzes. Diese so genannte Giralgeldschöpfung führt zu einer Inflation und könnte zu einem kompletten Crash führen, ähnlich der Immobilienblase mit faulen Krediten in den USA 2008 die als Anlass für die Erfindung von Kryptowährungen gilt.
Schlussendlich wird der Wert des Euros abnehmen, während der von Bitcoin weiter zunimmt.
Dabei richtet sich der Wert von Bitcoin und Co. stets nach Angebot und Nachfrage. Da das Angebot fest auf maximal 21 Millionen Bitcoins (aktuell 17 Millionen) begrenzt ist, richtet sich der Wert stark nach der Nachfrage. Auch der Euro richtet sich nach den Gesetzen des Marktes, er wird aber durch die EZB auf einen stabilen Wert stabilisiert. Durch die Dezentralisierung gibt es bei Bitcoin keine zentrale Institution die den Wert stabilisieren würde. Somit gibt es bei Bitcoin bis zur Massenadoption, die die Nachfrage stabilisieren würde, eine sehr hohe Volatilität.

Problematisch ist bei Bitcoin die Akzeptanz. Viele stehen nach der Spekulationsblase im Dezember 2017 kritisch gegenüber Bitcoin.
Ein weiterer Grund für die geringe Akzeptanz ist der Fakt, dass man fast nirgends mit Bitcoin und Co. bezahlen kann und da die meisten Leute aktuell die Technik dahinter nicht kennen, ist die Meinung, dass der Bitcoin unsicher ist, weit verbreitet.
Immer wieder fallen Tauschbörsen Hackerangriffen zum Opfer und eine Haftungspflicht ist für die Plattformen nicht gegeben.
Auch der hohe Preis von 3400€ (März 2019) pro Bitcoin schreckt viele ab zu investieren, da der Irrglaube man muss einen ganzen Bitcoin kaufen weit verbreitet ist. Tatsächlich lassen sich 0,0000001 BTC kaufen.
Eine Währung braucht Akzeptanz, einen stabilen Wert und eine gewisse Sicherheit sodass die Bevölkerung Vertrauen in die Währung hat. Bis heute fehlt es bei Bitcoin vor allem an der Akzeptanz und an einem stabilen Wert.
Trotz das der Bitcoin noch lange kein alltagstaugliches Zahlungsmittel darstellt, wird die Umsetzung einer staatlichen Kryptowährung in immer mehr Nationen debattiert.

In Venezuela wurde die Kryptowährung namens “Petro” eingeführt, um die Wirtschaftsprobleme des Landes zu lösen. Laut Maduro (Staatspräsident) habe der Petro schon am ersten Tag 735 Millionen Dollar eingebracht, was allerdings nicht belegt ist. 100 Millionen Petro wolle die venezolanische Regierung ausgeben, dabei soll der Wert eines Petros dem eines Barrels Öl entsprechen. In Zukunft sollen dort alle möglichen staatlichen Dienstleistungen in der neuen Währung bezahlt werden, aber bis jetzt gibt es nicht einmal eine Wallet für die Währung. Venezuela will die neue Währung, um von Investoren aus aller Welt Geld zu sammeln, nicht jedoch wegen der hohen Sicherheit oder Geschwindigkeit.

In der Schweiz, Russland, China, England und Schweden beschäftigen sich die Zentralbanken mit der Einführung einer eigenen Kryptowährung. Dabei geht es vor allem China weder darum eine anonyme noch dezentralisierte Währung anzubieten, sondern mehr Kontrolle über die eigene Währung zu erlangen. Auch die Schweiz als Vorreiter im Finanzmarkt beschäftigt sich mit einer eigenen Kryptowährung bzw. dem E-Franken, dabei soll durch eine Einführung die Zentralbank mehr Macht über die Währung erhalten, da Geschäftsbanken somit keine Giralgeldschöpfung in dem heutigen Ausmaß mehr vollziehen könnten und der Umlauf des Franken klar geregelt werden könnte.

Durch die Einführung von Kryptowährungen, die von einer Zentralbank vergeben werden würde, werden Geschäftsbanken unnötig bzw. nicht mehr so relevant, Steuerhinterziehungen einfacher zu verfolgen und Falschgeld unmöglich.

Kryptowährungen können außerdem nur über das Internet und nur auf sehr komplizierte Weise offline gehandelt werden, weshalb eine Kryptowährung bis jetzt uninteressant im Bargeld-Deutschland erscheint.

Bitcoin und Co. als Investment

Bitcoin ist zwar bis jetzt als Währung noch nicht massentauglich, eignet sich aber als Investment.
Jeder Investor erhofft sich einen steigenden Wert und geht dabei ein gewisses Risiko ein. Bei Bitcoin ist das Risiko deutlich höher viel zu verlieren als bei Aktien oder Ressourcen, jedoch sind jährliche Gewinne von +300% möglich, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Der Wert von Bitcoin entsteht durch die Akzeptanz und das Vertrauen in die Technik, aber auch stark durch FOMO. “Fear of missing out” ist ein starker Faktor für die Wertentwicklung von Bitcoin und Co. So kann man im Dezember durch viele Berichte in den Medien und damit verbundenes Interesse einen Spike an Wert von 100% sehen. Aktuell stehen eher negative Berichte in den Massenmedien. Kommentare wie “Bitcoin ist Rattengift hoch 2” von Buffett und der Kritik von den Bankern JP Morgan führen heute aber nicht mehr zu starken Wertverlusten, jedoch drohende Regulierungen oder andere negativ interpretierte Nachrichten führen zu Wertverlusten. Dabei spielen Fake News oft eine Rolle und sogenannte Pump-and-Dump Gruppen bringen vor allem kleinere Kryptowährungen zu extremen Wertsteigerungen und Verlusten.

Des Weiteren gibt es immer wieder Scams (Betrüger) in dem für vielen Laien attraktiven Kryptomarkt. Ein Beispiel ist BitConnect. Die Macher der Kryptowährungen versprachen tägliche Kursgewinne von 1% und schafften es mit dem Versprechen, was logischerweise nicht haltbar war, eine Marktkapitalisierung von 2,7 Milliarden Dollar zu erreichen.
Auch die sogenannten ICOs (Initial Coin Offering), also von Startups eigene Kryptowährungen, stellen sich meist als wertlos heraus.
Trotzdem gibt es sehr viele, vor allem junge Investoren, die ihr Geld in Kryptowährungen investieren. Das liegt nicht nur daran, dass man keinen Broker braucht und das es kaum Regulierungen gibt, sondern auch an der emotionalen Gier nach einfachem Geld.
Investoren wetten auf die Zukunft. Der praktische Wert von Geld, wie z.B. dem Euro ist so gut wie null, genauso wie bei Bitcoin, jedoch gibt es einen entscheidenden Unterschied. Wer in Bitcoin investiert hofft auf die Adaption von Bitcoin als Finanzmittel und ist der Meinung, dass Kryptowährungen überlegen gegenüber Fiat-Währungen sind.

Vorteile von Bitcoin

Die Vorteile von Bitcoin als Zahlungsmittel sind groß.
Sepa-Überweisungen innerhalb Europa sind zwar meistens kostenlos und dauern weniger als drei Tage, jedoch weltweit sieht es anders aus. Überweisungen ins Ausland können je nach Land über eine Woche dauern und mehr als 10% Gebühr kosten.
Die kürzlich eingeführten Instant Payments ermöglichen SEPA-Überweisungen in unter 20 Sekunden, sind aber nicht gerade billig.

Bitcoin ist zwar nicht gerade Vorreiter bei Geschwindigkeit und Kosten, jedoch gibt es andere Kryptowährungen die deutlich billiger und schneller sind. Bei Ethereum, der zweitgrößten Kryptowährung, dauert eine Transaktion um die 0,5 Minuten, Bitcoin ist mit 10 Minuten langsamer. Jedoch sollte man bei beiden noch ein paar Bestätigungen bzw. Blöcke abwarten bis die Überweisung tatsächlich sicher ist.
Eine Transaktion hat bei Bitcoin zur Zeiten des Hypes schon bis zu 20€ gekostet, jedoch sind aktuell bei Bitcoin 25 Cent und bei Ethereum 5 Cent als Gebühr üblich. Die Gebühr ist keine Pflicht, jedoch gar keine oder niedrige kann dazu führen, dass die Transaktion lange dauert oder gar nicht durchgeführt wird.
Da ein Vergleich mit Banküberweisungen keinen Sinn ergibt, da diese zwar meist kostenlos sind, jedoch immer mehr Banken dafür Kontoführungsgebühren verlangen, muss man Kryptowährungen eher mit PayPal vergleichen. Bei Paypal zahlt zwar der Käufer nichts, jedoch der Verkäufer muss bis zu 2% des Betrages an Paypal bezahlen, bei Mikroüberweisungen sogar 10%. Hier fällt schnell auf, dass Bitcoin und Co sich vor allem für große Beträge lohnt und Ethereum, Litecoin usw. auch bei kleinen Beträgen profitabler als PayPal sein kann.
Das Bankensystem ist teuer, teils korrupt und von Geldgier geprägt. Kunden werden ausgenutzt und müssen sogar zahlen, damit sie ihr Geld auf einem Konto lagern können.
Wer Geld auf seinem Konto spart, verliert dank der Inflationspolitik der EZB und keinen oder sogar Negativzinsen für sein Konto im Laufe der Jahre sein Geld.

Effizienz, Sicherheit, Anonymität, Vertrauenswürdigkeit durch Transparenz des Systems und die Dezentralisierung sind also die großen Vorteile gegenüber der Fiat-Währungen.

Nachteile von Bitcoin

Allerdings gibt es auch einige Probleme, die Bitcoin lösen muss. So liegt die Anzahl der möglichen Transaktionen pro Sekunde bei Bitcoin bei maximal 7. Zum Vergleich, Visa schafft 65.000. Außerdem verbraucht Bitcoin (mit dem Proof-of-Work Konzept) so viel Energie wie Argentinien und theoretisch in einigen Jahren so viel wie die USA. Viele Entwickler arbeiten allerdings an den Problemen und es gibt verschiedene Konzepte, um diese zu lösen. Unter Anderem haben andere Kryptowährung, abseits der zwei großen Plattformen Bitcoin und Ethereum, bereits neue Techniken ohne diese Probleme.
Zusätzlich entstehen kaum verhinderbare Probleme wie: Geldwäsche, Steuerhinterziehung, kriminelle Geschäfte die durch die Dezentralisierung und Anonymisierung vereinfacht werden.

Auch die Internetabhängigkeit darf nicht vernachlässigt werden. Zudem gibt es keine Möglichkeit eine Transaktion abzubrechen oder etwas wie ein Lastschriftverfahren einzuführen. Die Sicherheit ist auch heikel, da ein Verlust des Schlüssels oder des Seeds zur Wallet anders als das Vergessen des Pins einer EC-Karte zum Desaster werden würde.
Es gibt also auch einige Nachteile, die man aber versucht zu beheben.

Die weltverändernde Blockchain Technologie

Einen viel größeren Einfluss auf unsere Welt wird die Technologie hinter Bitcoin und Co haben, als die Währung selbst.
Durch die geringeren Kosten, der hohen Sicherheit und Effizienz überlegen sich große Banken für ihre eigenen Geldbewegungen selbst die Blockchain-Technologie einzusetzen.
Nicht nur für Banken, sondern auch für viele anderen Industriebereiche abseits der Finanzwelt wird die Blockchain revolutionieren.
Unternehmen wie AirBNB, Uber, Blablacar, Amazon, autoscout und AXA könnten durch sogenannte Dezentralisierte Autonome Organisationen (kurz DAO) auf der Ethereum Plattform ersetzt werden. Bei den DAOs handelt es sich um Programme auf der Blockchain, die eine direkte Verbindung zwischen Anbieter und Verbraucher ohne Mittelsmann ermöglichen.
Dabei haben die Kunden und Verkäufer den Vorteil, kein Geld an einen Mittelsmann zu verlieren und mehr Kontrolle zu behalten. Die Blockchain bring Vertrauen zurück und könnte digitale Identitäten, Urheberrechte und Wahlen absichern.

Der Hype ist groß, alle Unternehmen die sich in “Blockchain” zu ihrem Namen hinzufügen erlangen eine bis zu dreifache Wertsteigerung an der Börse und auch Kryptowährungen stellen die schnellste wachsende Wertanlage dar.
Ein Getränkehersteller hatte im Dezember seinen Namen in Long Blockchain Corporation geändert, was zu einer Wertsteigerung der Aktie um 500% führte. Die zeigt, wie spekulativ der Markt war.

Die Zukunft wird zeigen ob Kryptowährungen und die Blockchain einen großen Einfluss auf unsere aktuelle Finanzwelt und weitere Branchen nehmen wird.